Chronik des Ski-Clubs I

In Mitteleuropa hat der Skisport im Schwarzwald seinen Ursprung. Mit Recht können die Schwarzwälder auf den Ski-Club Todtnau stolz sein. Schon im Jahre 1891 wurde dieser erste Ski-Club gegründet.

Die Entwicklung ging weiter. Auf Initiative von Professor Paulke, Freiburg, sollten sich die neu gegründeten Clubs nach dem Vorbild des Schwarzwaldvereins zu einem Verband mit Sektionen zusammenschließen.

Um den eigenen Club des Nordschwarzwaldes, Pforzheim und Badener Höhe, den Anschluss an den größten Verband schmackhaft zu machen, schlug der neugegründete Ski-Club Freiburg für den Dachverband den Namen "Ski-Club Schwarzwald" vor. Als solcher wurde er dann am 1.12.1895 von den beiden Sektionen Todtnau und Freiburg ins Leben gerufen. Die Ski-Clubs Pforzheim und Badener Höhe wie noch weitere fünf Sektionen schlossen sich diesem Verband an.

Der Ski-Club Schwarzwald - Sektion Badener Höhe - erfasste alle Skiläufer von Karlsruhe bis Offenburg. Als Vorstand fungierte der damalige Wirt vom Kurhaus Sand.

In diesem Ski-Club waren natürlich auch Bühlertäler. Insbesondere waren es Geschäftsleute und Hoteliers, die die Kunst des "Brettlefahrens" probierten und die sich diesen Sport auch leisten konnten. Sie zählten zu den unentwegten Pionieren des Skisports. Im Tal selbst fand der Skisport allgemein bei den Bür­gern wenig Beachtung und Verständnis, auch war damals für Sport überhaupt wenig Interesse vorhanden. Dennoch wurde auch in Bühlertal bald die Grün­dung eines Clubs erwogen. Leider berichtet keine Chronik aus jener Zeit, und auch von den Anfängen und der Gründung des Clubs sind keine Unterlagen vorhanden. Nach mündlicher Überlieferung sind als Gründungsmitglieder bekannt: Robert Kern, Alois Kirschner, Stefan Kist, Fritz Irth, Karl Walz, K. Baumann, Emil Kern, Uhlinger, Otto Sator, Maushardt und Hammer, die dann auch das Bestreben des aus Todtmoos nach Bühlertal gekommenen Arztes Dr. Löhe, einen eigenen Ski­-Club zu gründen, tatkräftig unterstützten.

Im Dezember 1911 wurde die Gründung des Ski-Clubs Bühlertal als Ortsgruppe des Ski-Clubs Schwarzwald vollzogen.

Die Förderung des Skisports im nördIichen SchwarzwaId ist der einmaIige Verdienst des Dr. Löhe. Er hatte im südlichen Schwarzwald, in Todtmoos, durch seine berufliche Tätigkeit den praktischen Wert des Schneeschuhlaufens kennengelernt und war von der Notwendigkeit der Förderung dieses Sports überzeugt. Wie zu erwarten, übernahm Dr. Löhe die Führung des Clubs. Unter seiner takräftigen Leitung nahm der Club eine erfreuliche Entwicklung, die auch einen ganz beträchtlichen Mitgliederzuwachs zur Folge hatte und einen ungeheuren Aufschwung des Skisports mit sich brachte. Mit der Einsetzung eines Omnibusses wurde die Annehmlichkeit einer billigen Beförderung ins Höhengebiet erreicht, während zuvor der zeitraubende und mühselige Aufstieg zu Fuß gewählt werden musste. Zunächst gab es im Höhengebiet um Plättig, Herrenwies und Hundseck Skiwan­derungen und gesellige Club-Abende in den dortigen Hotels. Eine besondere Attraktion war die Abfahrt auf der Sandstraße bis ins Tal. Wie anderenorts wurden nunmehr auch im Club Wettkämpfe unter den Mitgliedern im Lang- und Geländelauf durchgeführt. Die Skiwanderungen wurden besonders von den Damen gepflegt. Wie groß das Interesse an dem Skisport wurde, zeigt, das die Clubführung im Winter 1913/14 ein Skivolksfest auf dem Plättig veranstalten konnte. Einige Clubmitglieder beteiligten sich bereits auch an Wettkämpfen. In den Kriegs­jahren sind 7 Clubmitglieder gefallen, darunter auch Dr. Löhe. Die von Dr. Löhe geschmiedete Clubkameradschaft trug nach Kriegsende seine Früchte. Unmittelbar nach Kriegsende blühten das Vereinsleben und der Skisport wieder auf. Als neuer Clubführer übernahm der Mitbegründer des Ski-Clubs, Robert Kern, die Führung. Er stellte in den folgenden Jahren bis 1926 dem Club seine ganze Kraft und sein Organisationstalent, trotz schwieriger wirtschaftlicher Verhältnisse nach dem verlorenen Krieg, zur Verfügung. In der Vorstandschaft erkannte man schon damals, daß das Skilaufen im jugendlichen Alter erlernt werden muss, sollen die Läufer bei sportlichen Wettmpfen Erfolge erringen. So wurde bereits 1921 eine Jugendabteilung aufgebaut. Ein besonderes Anliegen des Vorsitzenden war der Bau eines Sprunghügels auf Hundseck. Mit einer Stiftung von 5.000 Mark von Kommerzienrat Dr. Max Fremery, Baden-Baden, und Spenden der Hoteliers Hammer und Maushardt konnte der Sprunghügel 1921 gebaut werden. Im Protokoll vom 16.11.1921 ist festgehalten:

"An lässlich des zehnjährigen Bestehens der Ortsgruppe und der Einweihung des neuangelegten Sprunghügels wurde auf 18. Dezember 1921 ein internes Ski-Rennen auf Hundseck festgesetzt, offen für Mitglieder des Ski-Club Schwarzwald und solche des schwäbischen Schneelaufbundes, das bei ungünstiger Witterung auf 8. Januar 1922 verlegt wird."

Das Eröffnungsspringen fand dann am 8. Januar 1922 statt.

Sieger

 1.Franz Grossmann 21 m 
 2.Rudolf Maushardt  18 m 
 3.Franz Hammer 16 m

Damen-Skigruppe 1912

Damen-Skigruppe 1912

Zu Ehren des großzügigen Spenders erhielt der Sprunghügel den Namen "Max-Fremery-
Schanze ". Neben der Max-Fremery-Schanze auf Hundseck stan
d dem Club der kleinere Sprunghügel beim Kurhaus Plättig weiterhin zur Verfügung.

Bei den Ski-Club-Schwarzwald-Veranstaltungen war der Club allhrlich mit guten Erfolgen vertreten und wurde von keiner Ortsgruppe des nördlichen Schwarzwaldes übertroffen. Eine rege Tätigkeit nahm der hlertäler Club mit den umliegenden Clubs auf und führte jedes Jahr Wettufe durch. Der Ski-Club Schwarzwald hatte in jenen Jahren Max Kern, Max Hammer und Paul Komp als Kampfrichter, die stets zu den Veranstaltungen des Gaues Hornisgrinde und oft zu den Veranstaltungen auf dem Feldberg herangezogen wurden. Die Clubmitglieder Mutter und Grossmann waren im technischen Ausschuss vertreten. Bis zum Winter 1925/26 führte Robert Kern erfolgreich den Club. Für seine hervorragenden Leistungen wurde er zum Ehren-Vorsitzenden gewählt. Die Führung des Clubs übernahm der erfolgreiche Skifachmann Paul Komp. Er errang schon 1910 im Geländelauf die Schwarzwaldmeisterschaft. Mit seinem Jugendleiter, Lehrer Heinemann, konnte ein Nachwuchs herangezogen werden, der noch lange Jahre danach beachtliche sportliche Leistungen nachweisen konnte.

Mit der Entwicklung des Skispringens entsprach die Max-Fremery-Schanze nicht mehr den neuzeitlichen Anforderunqen. Die Clubführung beauftragte Ingenieur Philipp Mutter, Pläne auszuarbeiten für den Umbau der Schanze. Durch die persönlichen Verbindungen der Hoteliers Hammer und Maushardt konnte wiederum Kommerzienrat Dr. Max Fremery, Baden-Baden, für eine Stiftung gewonnen werden. Heute muss man sagen, dHerr Dr. Fremery für den Skisport sehr aufgeschlossen war, da er im Jahre 1927 für den Ausbau beachtliche 10000 Mark zur Verfügung stellte. Mit dieser großzügigen Hilfe und der finanziellen Unterstützung der Clubmitglieder konnten die Baumaßnahmen zügig vollzogen werden.

Nach mustergültigem Ausbau der Schanze wurde diese dem Gau Hornisgrinde übergeben.

Beginnend in den Jahren 1925/26 und in den folgenden Jahren traten die Clubmitglieder Adolf Contini als Skispringer und Paul Komp als Langläufer in den Vordergrund. Ihre Erfolge erstreckten sich nicht nur auf den Nordschwarzwald, sondern sie waren auch im Südschwarzwald äußerst erfolgreich.

Für den Club war es ein Verlust, als Paul Komp die Führung 1929 abgab. Als sein Nachfolger übernahm Otto Koch für 3 Jahre die Führung des Clubs. Ihm war ezu verdanken, dass der Club vor einer Krise bewahrt blieb, da sich für den Vorsitzenden niemand zur Verfügung stellte. Obwohl er kein Skiläufer war, sprang er idie Bresche. Als Mitarbeiter fanden sich spontan:

Willi Falk als 2. Vorsitzender, Willi Zorngiebel als Schriftführer, Fritz Hörth alRechner, Philipp Mutter, Ludwig Fritz, Andreas Hahn, Alfons Duffner, Max KernRudolf Maushardt, Amand Trenkle, Maria Stolper als Beisitzer und als Sportwarte Adolf Contini und Emil Zink.

Als Dr. Julius Kraus 1932 nach seinem Studium als junger Zahnarzt in seine Heimatgemeinde zurückkehrte und eine Praxis eröffnete, hatte man für das Problemeinen Nachfolger des Club-Vorsitzenden zu finden, die Lösung gefundenIhm wurde die Clubführung übertragen.
Dr. Kraus war zusätzlich zu seinem Beruf Sportlehrer und ein Allroundsportler (Turnen, Leichtathletik und Skifahren). Was der neue Clubführer anpackte, führte er auch bis zur letzten Konsequenz durch, denn er konnte in jeder Hinsicht Vorbild sein.
Dr. Krau
s hatte das Talent, die begabten
Skiläufer zu hartem Training anzuspornen und sie zu echten Wettkämpfern zu erziehen.

Durch seinen opferfreudigen Einsatz wurden entsprechend auch Erfolge erzielt.
Die Aktiven waren von ihrem .Juller" voll begeistert, begleitete er doch über jedes Wochenende die Wettkämpfer zu den Veranstaltungen. Unter seiner Führung nahm der Club einen vorderen Platz in der Rangliste des Skiverbandes Schwarzwald ein.

Im Sommer 1935 wurde die .Max-Frernerv-Schanze" vom Gau Hornisgrinde den Besitzern des Kurhauses Hundseck übertragen. r die künftige Benützung der Schanze war an das Kurhaus Hundseck ein Unkostenbeitrag von den Veranstaltern zu entrichten.

Als neue sportliche Veranstaltung wurde für Bühlertal der Wasserstichabfahrtslauf eingeführt. Erich Schmidt führte viele Jahre die Bestenliste an. Die Aufrtsentwicklung wurde durch den zweiten Weltkrieg jäh unterbrochen. Leider hat dieser Krieg eine große Anzahl Opfer aus den Reihen der Clubmitglieder gefordert. Während des Krieges wurde der Club vertretungsweise von Ludwig Hörth geführt. Ihm zur Seite stand Walter Schmidt. Nach dem Einrücken der Franzosen wurden von der französischen Besatzungsmacht alle sportlichen VeranstaItungen untersagt. Mit der Verordnung vom 21.5.1946 über die "Wiederherstellung des Vereinsrechts im französischen Besatzungsgebiet" war festgelegt, dass in einer Gemeinde nur ein einziger Sportverein bestehen durfte.

Am 3. Juli 1946 erfolgte für alle sporttreibenden Vereine - Fußball, Ski, Handball, Turnen und Leichtathletik - die Gründung der .Sportvereiniqunq Bühlertal".

Die Abteilung Ski übernahm als Abteilungsleiter Ludwig Hörth. Er verstand es, die alten Clubmitglieder zu sammeln und den sportlichen Wettkampf wieder aufleben zu lassen.

Der Sportoffizier der französischen Besatzung erlaubte 1949 die Zulassung des Ski-Clubs und des Turnvereins als selbständige Vereine.

Dr. Julius Kraus übernahm wieder die Führung des Clubs. Die wichtigste Aufgabe, die es für ihn zu sen gab, war die Erstellung einer neuen Skihütte an der Stelle der zerstörten alten Hütte. Hierüber wird - von der Blockhütte zur neuen Skihütte - an anderer Stelle berichtet.

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